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Jungs erziehen - Was du als Mama von Jungs wissen solltest

Die einen sagen, Jungs und Mädchen seien doch gleich, also brauchen Jungs auch auch keine andere Erziehung. Sie bräuchten beide Liebe, Zuwendung, Führung oder eine bedürfnisorientierte Begleitung. Die anderen sagen, wir bräuchten mehr feinfühlige Männer und mehr durchsetzungsstarke Frauen. Und wieder andere behaupten, dass Jungs anders erzogen werden müssen als Mädchen, weil sie anders mit Erfahrungen und Herausforderungen umgehen.

Ist Jungenerziehung anders als Mädchenerziehung?

Dass Frauen und Männer gleichwertig sind, darüber brauchen wir Gott sei dank nicht mehr diskutieren. Doch ob sie auch gleich sind, da ist man verschiedener Meinung. Die Antwort auf die Frage ist allerdings ziemlich wichtig, wenn es um die Frage geht, wie wir Jungs erziehen. Denn ob wir Jungs und Mädchen anders begleiten, hängt besonders davon ab, ob wir davon ausgehen, dass Frauen und Männer andere Dinge brauchen, um sich voll und ganz zu entwickeln. 

Was es für Unterschiede gibt und wie sie sich auf die Erziehung von Jungs (und auch von Mädchen) auswirken, das erfährst du in diesem Artikel. 

Vorab eine kleine Anmerkung. Gerade wenn man über Männer und Frauen schreibt, kann es sein, dass die ein oder andere Aussage wie eine Pauschalisierung wirkt. Letztendlich lassen sich die Worte Frau und Mann oft durch die Worte weibliche Energie und männliche Energie ersetzen. Wie diese Energien bei einem Menschen verteilt sind, ist individuell verschieden. Deswegen können die Aussagen in diesem Artikel im Einzelfall unzutreffend sein. Trotzdem können sie dir helfen, deinen Sohn besser zu verstehen und ihn leichter zu begleiten. Viel Spaß beim Forschen. 

Warum gibt es 2 Geschlechter?

Die Frage, ob Männer und Frauen verschieden sind oder gleich, lässt sich ganz schnell beantworten, wenn wir einen Blick auf die Funktionsweise der Natur werfen. Eines können wir mit Sicherheit sagen. Die Natur erschafft immer das Effektivste und Sinnvollste. Und wenn es 2 Geschlechter gibt, dann gibt es einen Vorteil, der daraus entsteht. Und nur die Fortpflanzung ist es nicht. Denn in der Natur existieren verschiedenste Arten der Fortpflanzung und nicht alle brauchen 2 Geschlechter oder Sex. Es gibt 2 Geschlechter, weil 2 Geschlechter einen evolutionären Vorteil bilden. 

Was ist der Vorteil von Männern und Frauen?

Männer und Frauen hatten in der Urzeit unterschiedliche Aufgaben. Auch in Urvölkern ist diese Aufteilung noch vorhanden. 

„Was uns Männer also für unsere Kultur nützlich macht, ist unsere Entbehrlichkeit“, schreibt Gerald Hüther in seinem Buch Männer – das schwache Geschlecht und sein Gehirn. 

Was meint er damit? 

Die Natur hat 2 Prinzipien: Sie will alles in einem stabilen Gleichgewicht halten und gleichzeitig ist sie von Veränderung geprägt. Wenn eine Art langfristig überleben will (also über Jahrhunderte), dann muss sie in der Lage sein, sich an alle möglichen Veränderungen anpassen zu können, um eine Sicherheit für sich, die eigenen Nachkommen und die eigenen Art zu schaffen. Anpassungsfähigkeit und Flexibilität schafft also Sicherheit. (Das kannst du dir gleich hinter die Löffel schreiben, denn es ist eine wichtige Lektion für deine Erziehung – für das Thema sicherer Job und sichere Zukunft für dein Kind und so 😉. Und es ist ein wichtiges Thema bei uns in der Akademie). 

Ist klar, oder? Arten die ausgestorben sind, konnten mit der Veränderung auf der Welt nicht umgehen. Zu viel Kälte in der Eiszeit. Zu viel Wärme nach der Eiszeit. Wer den Übergang nicht geschafft hat, war weg vom Fenster.

Was hat die Natur also geniales gemacht?

Sie erschuf Frau und Mann. Die Frau ist perfekt darauf ausgerichtet, ihrer Art von Sicherheit zu schenken. Sie schafft ein liebevolles und warmes Heim für die Nachkommen. Die Frau nährt die Familie. Sie gibt die Werte, die bereits erreichten Errungenschaften, das bereits gelernte Wissen und die funktionierenden Überlebensstrategien an ihre Kinder weiter. Die Frau sichert also das Erreichte. 

Doch wer langfristig überleben will, der muss sich für Veränderungen wappnen, bevor sie da sind. Man muss also dazu lernen. Mehr Optionen zu haben ist sehr wichtig. Man muss schauen, ob es nicht noch bessere und effektivere Wege gibt. Und hier kommt der Mann ins Spiel. Alles an ihm ist darauf ausgerichtet, neue Wege zu finden. Er wagt sich vor in neue und unbekannte Gefilde. Er hat die Kraft, sich dort zu behaupten, ganz egal was er dort vorfindet (einen steilen Berghang? ein Bär der im Weg steht? ein Konkurrent?). Er ist dazu gemacht, alles mögliche auszuprobieren (vielleicht manchmal sogar ohne darüber zu intensiv nachgedacht zu haben 😉), Grenzen auszutesten und zu erweitern, herauszufinden was alles möglich ist, sich selbst immer wieder herauszufordern um besser zu werden und neue Fähigkeiten zu erlangen, mit denen er weiter vorankommen kann. 

Er kann ein viel größeres Risiko eingehen als die Frau.

Denn er ist viel abkömmlicher als seine Frau. Ohne die Frau, die sein Kind im Bauch trägt, die es säugt und liebevoll aufzieht, kann seine Art nicht fortbestehen. Es braucht weniger Männer als es Frauen braucht, um eine Art zu sichern. Deswegen kann die Natur auch mal auf einen Mann verzichten, während sie die Frauen braucht. Deswegen ging der Mann zum Jagen oder zog in den Krieg. Weil die Frauen den „Laden“ zu Hause auch alleine schmeißen konnten, während die Männer oftmals ihre Schwierigkeiten damit gehabt hätten. 

All dieses neue Wissen bringt er nach Hause. Was sich bewährt kann zum neuen Standard werden und an die Kinder weitergegeben werden. 

Es braucht beide. Mann und Frau.

Und damit nicht einer von beiden sich dazu entscheidet genug von dem anderen Geschlecht zu haben (was langfristig für die Art ungünstig wäre, da entweder die Sicherheit oder das Risiko zu viel überhand nehmen würde) gibt es etwas, dass beide zusammenschweißt und aneinander bindet: die sexuelle Anziehung.

Ein Mann bekommt Anerkennung für seine Leistungen und Errungenschaften und das bringt ihm wiederum das Begehren einer Frau ein. So sorgt die Natur für den Fortbestand unserer Art.  

Wir sprechen hier natürlich von unseren Ursprüngen 😉. Heutzutage können natürlich auch die Frauen wunderbar neue Lösungen finden und die Männer sind toll darin zu Hause mit den Kindern ein liebevolles Heim zu schaffen. Ist es nicht trotzdem spannend, wo unsere Natur herkommt? Ich finde es erklärt so einiges. 

Es ist jedoch auch so, dass die Natur noch einen weiteren Regulierungsprozess mit eingebaut hat. In unsicheren Zeiten (z.B. Zeiten des Krieges) bekamen besonders die tollkühnen Helden die Anerkennung. In wieder sicheren Zeiten (z.B. des Wiederaufbaus) waren eher die liebevollen, mitfühlenden, verantwortungsbewussten Männer für Frauen attraktiv. Und so gibt die Natur die Möglichkeit, dass sich eine Vielfalt entfalten kann, dass Potentiale genutzt werden und dass Individuen ihre Kraft ausschöpfen können. Wie genau und was das für die Erziehung von Jungs bedeutet, das prüfen wir später. 

Will man Jungs erziehen, ist es wichtig die biologischen Unterschiede zu kennen.

Damit du deinen Jungen noch besser verstehen kannst und erkennst, was er braucht, tauchen wir jetzt ein in die biologischen Unterschiede, die dafür sorgen, dass diese Vorteile von Mann und Frau entstehen. 

Schon vor der Geburt entwickelt sich das Gehirn von Jungs etwas anders als das von Mädchen. Dies hat einen ganz einfachen Grund (zumindest hier zum Verständnis. Der Prozess ist wohl um einiges komplizierter.): Männer haben ein Y-Chromosom dort wo Frauen ein X-Chromosom haben.

Was liegt auf diesem Stückchen Chromosom, dass Frauen mehr haben? Intelligenz? Mitgefühl? So gerne der ein oder andere das vielleicht hören würde – das ist es nicht.  

Es ist so. Menschen besitzen 46 Chromosomen. Von diesen Chromosomen sind jeweils 2 die Geschlechtschromosomen. Alle Chromosomen liegen beim Menschen doppelt vor. Das hat einen entscheidenden Vorteil. Der Embryo kann sich entscheiden, ob es von Mamas oder von Papas Seite auswählt. Damit stellt es sich die stärkste, optimalste, widerstandsfähigste und gesündeste Kombination zusammen. 

Es gibt allerdings eine Ausnahme. Bei Jungs liegt das Geschlechtschromosom nicht in doppelter Ausführung vor.

Sie haben nur ein x-Chromosom. Auf dem Y-Chromosom finden sich relativ wenig Gene. Hier kann das Embryo also nicht aus 2 Varianten die beste Auswählen. Es muss nehmen, was da ist – ganz egal, ob es ideal ist oder nicht. 

Das macht männliche Embryos im Mutterleib angreifbarer und verletzlicher. Egal ob Stress der Mutter, schlechte Ernährung oder Giftstoffe – männliche Embryonen werden dadurch stärker beeinträchtigt. Es lässt sich z.B. beobachten, dass in Zeiten von Hungersnöten oder großem Stress für Frauen, vermehrt Mädchen geboren werden. Während in Zeiten des Wohlstands, die Zahl der Jungen wieder steigt.

Je nachdem, wie stark die Gene der Mutter auf dem einzelnen x-Chromosom sind, startet ein Junge mit einem mehr oder weniger großen Handicap in sein Leben. Dies beeinflusst natürlich auch die Entwicklung seines Gehirns. 

Natürlich gibt es noch einen weiteren Unterschied, der ebenfalls seine Auswirkung hat und das ist der höhere Testosteronspiegel, der die Entwicklung von Jungs in bestimmten Stadien immer wieder beeinflusst. 

Wie wirken sich die biologischen Unterschiede auf die Entwicklung aus?

Wenn ein Embryo oder ein Kind in Not gerät – egal, ob durch Stress oder durch Mangelernährung oder Umweltgifte – dann konzentriert es sich zuallererst darauf, einen Weg zu finden, zu überleben. Potentialentfaltung, Wachstum und das neugierige Erkunden der Umwelt sind da erstmal zweitrangig und werden hinten angestellt. 

Das ist die Realität, die ein Junge im Mutterleib (manche mehr und manche weniger) erleben. Je nachdem wie viel Störungen er ausgesetzt ist, hat er auch vermindert Zeit, sich frei und sicher zu entwickeln, denn er muss erstmal kämpfen, um sein Überleben zu sichern. (Das lässt sich übrigens auch auf Mädchen übertragen, die im Mutterleib große Herausforderungen erleben mussten. Auch wenn sie theoretisch gesehen eine stärkere genetische Grundlage haben, kann es im Einzelfall genauso gut sein, dass sich ein Mädchen unter erschwerten Bedingungen im Mutterleib entwickelt, während ein Junge entspannt Zeit hat sich auszubreiten und seine Umwelt zu erkunden.) 

Die Frage, ob Jungs schwieriger sind als Mädchen und wie man Jungs erziehen kann wird 10-100 mal öfter gesucht, als die Frage nach der Erziehung von Mädchen.

Es scheint also der Erfahrung vieler Mütter zu entsprechen, dass Jungs auch im Kleinkindalter anders sind als Mädchen. 

Aus den oben genannten Beschreibungen lassen sich jetzt folgende 2 Unterschiede gut verstehen. 

  1. Jungs kommen oft mit mehr Antrieb auf die Welt als Mädchen. Ihr Bewegungsdrang, ihr Entdeckergen, ihre Power, ihre Suche ist stärker ausgeprägt. Dies lässt sich auf die höhere Konzentration an Testosteron zurückführen und ist etwas, was sich zumindest im Volksmund als Erwartung zeigt. Ob Mütter von Jungs deswegen immer mehr zu tun haben, als Mädchenmütter, das werden wir weiter unten besprechen. 
  2. Jungs haben tendenziell eine geringere innere Stabilität. Ganz klar. Während sich ein Mädchen vielleicht in aller Ruhe im Mutterleib eingerichtet hat und sich einzig und allein auf  Entwicklung, Wachstum, Verbundensein und darauf die Welt zu erkunden konzentrieren konnte, kommt es wahrscheinlich mit einer großen inneren Ruhe zur Welt und fühlt sich sicher und geborgen. Dies ist so tief verankert, dass sie auch weiterhin darauf zurückgreifen kann, solange sie nicht fundamental andere Erfahrungen nach der Geburt macht. Ein Junge, der u.U. immer mal wieder Kämpfen musste, hat von Anfang an mehr Unsicherheit erlebt. Es hatte nicht die Möglichkeit diese innere Ruhe zu entwickeln. Er musste sich gegen Widerstände durchsetzen und Lösungen dafür finden, um wieder zur Verbundenheit zurückzukommen. Deswegen suchen Jungs nach der Geburt vermehrt Halt im Außen, während Mädchen diesen in sich selbst finden. 
  3. Lass deinen Jungen sich körperlich ausprobieren. Das tut ihm gut, er kann seinen Bewegungsdrang loswerden, sich selbst erfahren, dadurch mehr Sicherheit und Vertrauen in seine Fähigkeiten erhalten und sich auspowern. Du musst nicht immer ein Sportprogramm für deinen Jungen veranstalten. Es gibt im Alltag so viel Bewegung.  

Was bedeuten diese Unterschiede, wenn wir Jungs erziehen?

Bei Jungs sollte man besonders auf eine vertrauensvolle Beziehung achten, Verbundenheit geben und sie nicht mit ihren Emotionen alleine lassen.

Gerade Jungs brauchen von Beginn ihres Lebens eine liebevolle Begleitung. Sie müssen erfahren, dass ihre Bedürfnisse gehört werden. Sie brauchen Erwachsene, die sie durch ihre Emotionen begleiten und sie nicht damit alleine lassen. Und sie brauchen eine Erziehung, die Wachstum durch Verbundenheit ermöglicht. Dann können sie sich frei entwickeln ohne dass sie andauernd in Unsicherheit leben. 

Das sind die optimalen Bedingungen für jedes Kind – Mädchen wie Jungen. Warum wir das hier in Bezug darauf Jungs zu erziehen besonders erwähnen, hat 2 Gründe. 

    1. Jungs reagieren schneller darauf, wenn die Bedingungen für eine natürliche Entwicklung fehlen (z.B. wenn sie schreien gelassen werden, wenn sie nicht die Nähe bekommen, die sie brauchen, wenn ihnen nicht das Vertrauen entgegen gebracht wird, dass sie sich selbst ausprobieren dürfen. Dann reagieren sie gerne auch mal mit starkem Widerstand. Deswegen wird Jungs nachgesagt, sie wären schwerer zu erziehen. Das ist nicht wahr. Sie zeigen nur früher an, wenn in der Begleitung etwas nicht natürlich ist und ihnen Stress bereitet. 
    2. Studien konnten zeigen, dass Jungeneltern deutlich später reagierten, wenn ihr Junge schrie als Mädcheneltern. Dies schien ein Ergebnis der Annahme zu sein, dass Jungs robuster sind als Mädchen. Ebenfalls entdeckten die Wissenschaftler, dass Mädchen besonders von ihren Vätern mehr Kuscheleinheiten und liebevollen Körperkontakt bekamen. Den Eltern war das nicht bewusst. Und deswegen solltest du dir diese Tendenz bewusst machen. Du solltest darauf achten, deinem Jungen die Nähe zu geben, die er braucht, direkt auf seine Emotionen reagieren und nicht in die Falle zu tappen, ihn unbewusst für so robust zu halten, dass er als Neugeborener und besonders als Junge das auch mal kurz aushalten kann. 

Wie wirkt sich die Gesellschaft auf die Entwicklung von Jungs aus?

Natürlich haben nicht nur die biologischen Vorraussetzungen einen Einfluss auf die Entwicklung eines Jungen. Auch das Männerbild in der Gesellschaft prägt einen Jungen enorm, denn er ist ununterbrochen davon umgeben. Sein Vater, alle Männer in eurem Umfeld, Männer die ihr in der Stadt beobachtet und Männer in Büchern oder Filmen. Hinzu kommen Werbung und Social Media. All das schreit den ganzen Tag: Das bedeutet es ein Mann zu sein. Das musst du tun, um als Mann in der Gesellschaft deinen Platz zu finden. So musst du aussehen, dich verhalten, mit Frauen umgehen. Und so viel Geld musst du verdienen. So musst du reden, so musst du dich bewegen. Das muss dich interessieren. Das ist männlich und das ist nicht männlich. Das kann schonmal ganz schön durcheinander bringen, wenn man als Junge herausfinden will, was für ein Mann man sein will. Denn das Gehirn ist darauf ausgelegt, von Vorbildern zu kopieren. Außerdem neigen besondere Kleinkinder dazu, ihr Verhalten darauf auszurichten, womit sie ihren Eltern und anderen wichtigen Personen besonders gefallen. Freuen sich alle, wenn der Junge einen Ball mit dem Fuß kickt und dass er sich gerne zur Musik bewegt wird kaum beachtet? Dann wird er vermutlich vermehrt zum Fussball greifen, weil er damit seinen Eltern gefällt. 

Und sobald ein Junge den Unterschied zwischen Mädchen und Jungs – Männern und Frauen – wahrnimmt, sucht ein Junge aktiv nach Vorbildern, die ihm zeigen, was es bedeutet ein Mann zu sein.

Er saugt begierig alles auf, was die Männer tun, mit denen er sich identifiziert und denen er sich am meisten verbunden fühlt. Und so erarbeitet sich der Junge seine männliche Identität unabhängig von seinen biologischen Grundlagen. 

Was glaubt die Gesellschaft darüber wie Jungs sind und was Jungs erziehen schwieriger macht?

Was glaubt die Gesellschaft alles über Jungs und Männer? Lasst uns hier mal ein paar Sachen auflisten. Diese Liste wird natürlich niemals vollständig sein. Und du kannst gerne hinzufügen, was dir auffällt.

  • Jungs sind schwieriger zu erziehen. 
  • Sie sind weniger motiviert in der Schule.
  • Jungs sind sprachlich nicht so stark.
  • Ihnen fällt es schwerer sich zu konzentrieren und still zu sitzen. 
  • Jungs sind gut in Mathe. 
  • Jungen brauchen mehr Grenzen. 
  • Männer haben Schwierigkeiten ihre Gefühle zu zeigen.
  • Ein Mann ist robust und widerstandsfähig
  • Männer glauben an sich selbst und sind von sich selbst überzeugt

Das sind all die Informationen, die ein Junge sammelt und für wahr hält, sobald er erkennt, dass er zur männlichen Gattung gehört. 

Eine viel spannendere Frage ist eigentlich: Was glaubst du über Jungs und Männer? 

Denn das, was du glaubst, wirst du unbewusst ebenfalls an deinen Jungen weitergeben – durch die Art wie du ihn und deinen Mann behandelst, wie du mit ihm redest, wie du auf ihn reagierst, wenn er sich weh tut, wütend ist oder Scheiße gebaut hat und wie du über andere Männer sprichst. Deine ganze Erziehung wird unbewusst davon beeinflusst sein, was du über Männer und Jungs glaubst. 

Du solltest es einmal aufschreiben. Denn ob das, was du glaubst, gut oder eher schlecht für deinen Sohn ist, kannst du erst herausfinden, wenn du dir deine unbewussten Prägungen bewusst machst. 

Wie können wir Jungs erziehen – sodass sie sich frei und männlich entwickeln können doch ohne sie in ein männliches Bild zu pressen?

Die biologischen Grundlagen eines Jungen sind die eine Sache. Sie sind letztendlich nur ein Potential. Wie es zur Entfaltung kommt und ob ein Junge sich in seine gesamte starke Männlichkeit entfalten kann mit allem was dazu gehört, hängt von seinen Entwicklungsbedingungen ab. Die Schwangerschaft, die Beziehung der Eltern zu ihm nach der Geburt, die Möglichkeit sich als eigenständiges Subjekt zu erleben, die gesellschaftlichen Gruppen, in denen er sich bewegt und und und. 

  1. Wichtig ist eine Bewusstheit für die eigenen Erwartungen und Begrenzungen über Jungs und Männer, damit du dich auch bewusst dagegen entscheiden kannst und nicht unbewusst etwas an deinen Jungen übermittelst, was du ihm eigentlich gar nicht mitgeben willst. 
  2. Die natürlichen Lernprozesse zu unterstützen ist enorm wichtig. Genauso wie bei Mädchen auch. Doch ein Eingreifen in die natürliche Entwicklung kann bei Jungs früher zu Schwierigkeiten führen. 
  3. Jungs wollen gebraucht werden. Das hilft ihnen, zu erkennen, dass sie wichtig für die Familie sind und sie finden darin einen Halt. Sie können zeigen, was sie drauf haben und stolz darauf sein, was sie geschafft haben. Lass deinen Jungen  also mithelfen. 
  4. Lass deinen Jungen ausprobieren und entdecken. Das erfüllt sein natürliches Bedürfnis (was Mädchen übrigens auch haben). Und je mehr er alleine ausprobieren darf, desto weniger musst du als Mama seinem Bewegungsdrang gerecht werden. Denn er kann ja dann aus eigenem Antrieb Dinge initiieren. Und so hat sein starker innerer Motor auch ein Ziel auf das es hinsteuert. Jungs, die keine Möglichkeit haben, sich auszuprobieren, sich zu bewegen, die viel still sitzen müssen oder sich immer kontrollieren müssen, weil sie andauernd „nein das nicht“ hören, lassen ihre Energie natürlich irgendwann anderweitig raus. Und das kann gut auch mal anstrengend werden. 

Wir haben hier noch eine Liste mit 10 Tipps zur Erziehung von Jungen.

Doch das meiste wirst du in unserer Akademie erfahren. Wir legen großen Wert darauf, natürliches Lernen und die Erfüllung der Grundbedürfnisse so anwendbar zu machen, dass es deinen Alltag erleichtert.  

Kann ich als Mama meinem Sohn alles beibringen oder braucht es Männer dazu?

Die gute Nachricht ist, du musst deinem Sohn gar nichts beibringen. Der Großteil wird in den ersten 6 Lebensjahren eh nebenbei gelernt. Dein Sohn wird sich trotz allem männliche Vorbilder suchen. Denn obwohl er dich über alles lieben wird und wahrscheinlich eine tolle Beziehung zu dir hat – er erkennt, dass du kein Mann bist und sucht deswegen andere, die ihm ähnlich sind, um von ihnen zu lernen, wie man sich als Junge oder Mann in der Gruppe verhält. Wie bekommt man Anerkennung in der Gruppe? Was sind die Regeln? 

Selbst wenn du also versuchst, deinem Sohn beizubringen, dass es nicht immer darum gehen muss, erster zu sein – wenn er Jungs oder Männer in seinem Umfeld hat, die gerne in Wettbewerb zueinander treten, wird dein Sohn höchstwahrscheinlich dieses Verhalten übernehmen. 

Auf die Frage, ob es Männer braucht würde ich also antworten: Die Männer sind sowieso da. Es braucht am besten sinnvolle männliche Vorbilder. 

Was können Mütter tun, um ihre Jungs zu erziehen?

  • Lass deinen Mann einfach mal machen 😉. Hab keine Angst, dass etwas „zu heftig“ wird. 
  • Freue dich über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, denn sie sind gut und wichtig. Dein Junge muss nicht immer genauso sein wie du. Das ist ok. 
  • Sei liebevoll, kuschel mit ihm, liebe ihn bedingungslos und lass deine Mama-Magie wirken. Das was du bist – die großartige, liebevolle, vertraute Mama ist das Beste, was du deinem Jungen geben kannst. 
  • Mache dir deine Glaubenssätze über Männer und Jungs bewusst und überlege dir, was du über Männer und Jungs glauben möchtest, sodass diese Glaubenssätze nur dienen. 
  • Du kannst auch mehr darüber herausfinden, wie Männer ticken, im Vergleich zu Frauen, wenn dich das interessiert. Das ist spannend und kann dir helfen deinen Jungen besser zu verstehen und zu begleiten. Wir haben bald ein ganzes Hörbuch dazu, indem es auch um konkrete Unterschiede in der Erziehung zwischen Mädchen und Jungs gibt, ob es verschiedene Werte gibt, wie das mit den männlichen und weiblichen Energien ist und wie sich all das ganz praktisch und individuell anpassbar auf dien Familienleben umsetzen lässt. 

Was können Väter tun, um ihre Jungs zu erziehen?

Väter oder eine eng vertraute männliche Bezugsperson, ist für einen Jungen enorm wichtig. Fehlt eine vertrauensvolle und von Verbundenheit und Verständnis geprägte Beziehung zu einem Mann, suchen sich Jungs ihre Vorbilder anderweitig. Das ist dann vielleicht der Fussballstar oder der Actionheld. Ob das die richtigen Vorbilder sind, lässt sich in den meisten Fällen bezweifeln. 

  • Raufen.
  • Vorbild sein. 
  • Gemeinsam die Welt entdecken.
  • Gefühle leben und für deinen Sohn da sein, wenn er Hilfe braucht beim Regulieren von Gefühlen. 
  • Gemeinsam Zeit verbringen. 
  • Dinge tun, die Vertrauen aufbauen und Verbundenheit schaffen.
  • Dich selbst als Mann besser verstehen und bewusst entscheiden, wer du als Mann sein willst. 

Was müssen Jungs über das Leben als Mann wissen?

  • Sie sollten ihre Kräfte gut einteilen können. Männer sind in den meisten Fällen körperlich stärker als Frauen. Aus großer Kraft erfolgt große Verantwortung. Das sollte ihnen bewusst sein. 
  • Generell sollten sie lernen, wie sie mit Frauen umgehen können, sodass diese sich gesehen und nicht herabgewürdigt fühlen. Das klingt so banal und so selbstverständlich. Doch gerade in der heutigen Zeit gibt es mehr und mehr Männer, die verunsichert darüber sind, was sie jetzt noch dürfen und was nicht. Ist eine Berührung am Arm ok? Was darf ich sagen? 
  • Ich wünsche mir für meinen Sohn auch, dass er die typischen männlichen Stereotypen kennt und dass er versteht, wie sie in den Medien und in Filmen immer wieder genutzt werden. Ich wünsche mir, dass er frei entscheiden kann, ob er diese übernehmen möchte und zum Teil seiner Identität macht und sie nicht unbewusst unhinterfragt übernimmt. 
  • Mehr dazu beschreiben wir dann in unserem Hörbuch. 

Sollten Jungs auch mit Mädchenspielzeug spielen?

Sie können. Es spricht nichts dagegen welches da zu haben und es spricht auch nichts dagegen, wenn ein Junge gerne mit „Mädchenspielzeug“ spielen möchte. 

Allerdings kann es gut sein, dass dein Junge sich trotz aller Bemühungen von Autos, Lastern und Dinos einfach viel mehr angezogen fühlt als von Puppen. Auch wenn Wissenschaftler noch nicht genau wissen, ob das aufgrund von unbewusster Prägung entsteht oder ob es etwas mit dem Drang nach Stärke, Power und Anerkennung zu tun hat, so beobachten sie doch immer wieder, dass Jungs schon von Beginn an oft eher auf jungatypisches Spielzeug anspringen. Mach dir also keine Sorgen, falls du das bei deinem Jungen auch beobachtest. Es ist ok und normal. 

Viel wichtiger finde ich, dass du dein Kind aus sich selbst heraus spielen lässt mit dem, was ihn interessiert.

Denn diese Eigenmotivation ist der beste Lernfaktor den es gibt. Ob das Autos, Puppen, Steine aus dem Garten oder Vorratsboxen sind, ist dabei völlig egal. 

Außerdem lässt sich auch mit Autos ganz anderes spielen als nur Autorennen. Bei uns ist das Stapeln gerade hoch im Kurs. Und so kann es gut sein, dass das Topping eines Turmes aus Vorratsgläsern ein Duploauto bildet oder dass ein Duploauto eine Holzeisenbahn transportiert. Es geht dann in dem Moment mehr um das Stapeln üben als um das Auto. Dein Kind wird schon die Lernschritte machen, für die es bereit ist. Mit Puppe, mit Auto oder mit Holzkugelbahn – in rot, blau, pink, grün oder gelb. Wichtiger ist, dass du weißt, wie Kinder spielen, im spielen lernen und was sie brauchen, um sich durch das Spiel zu entwickeln. 

Sollten Jungs genderneutrale Farben tragen?

Jungs entwickeln sich nicht so, wie die Gesellschaft das für richtig hält, weil sie als Junge behandelt werden. Sondern, weil sie selbst aktiv danach suchen. Sie erkennen, wer ein Mann und wer ein Junge ist auch ohne Farben. Das wäre ein bisschen zu einfach. Deswegen glauben wir, dass genderneutrale Farben nicht der ausschlaggebende Punkt sind. Es gibt viel wichtigere Ansätze bei denen man anfangen sollte.  

"Mama das ist mir zu viel!"

Wie kleine Kinder zeigen, dass ihr Alltag sie überfordert und was du als Mama tun kannst, um dein Kind wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
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